Der deutsche Trading-Markt ist hart umkämpft: In vielen Sparten ist längst eine Marktsättigung eingetreten, die viele Anbieter dazu drängt, besonders offensiv um neue Kunden zu werben – bei denen es sich regelmäßig um die alten Kunden der Konkurrenz handelt.
Neukundenaktionen von Brokern werden oft spektakulär beworben. Anlegern, die ein neues Depot eröffnen, wird ein Willkommensgeschenk in Aussicht gestellt. Dabei kann es sich um ein Free-Trade-Kontingent genauso handeln wie um ein Zeitschriftenabonnement oder ein hoch verzinstes Tagesgeldkonto. Gerade Tagesgeldkonten mit temporär hoher Aktionsverzinsung sind sehr häufig zu finden. Das Muster dieser Angebote ist immer gleich: Neukunden erhalten zusätzlich zu ihrem Depot ein Tagesgeldkonto, auf dem Guthaben bis zu einer bestimmten Höhe für einen bestimmten Zeitraum deutlich höher verzinst werden als sonst am Markt üblich.
Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, ein solches Angebot anzunehmen. Ein Teil des Vermögens sollte ohnehin in liquiden und sicheren Anlagen wie Tagesgeld investiert sein – je höher diese verzinst ist, desto besser. Die Konditionen des Brokers sollten allerdings auch über den Tagesgeldzins hinaus gut sein.
Blind wechseln kann teuer werden
Sind sie es nicht, zahlen Depotwechsler schnell drauf. Zunächst sollten deshalb die Konditionen des eigenen Brokers mit denen eines Konkurrenten verglichen werden, der mit hohen Zinsen wirbt. Nur wenn die Preise für das jeweilige Anleger-Profil nicht signifikant schlechter sind, macht die Annahme des Angebots Sinn. Verteuern sich die Geschäfte durch den Wechsel hingegen deutlich, amortisiert sich die Investition des Brokers in die hohen Zinsen schnell – zulasten des Kunden.
Bei der Bewertung eines Neukundenangebots sollten Interessenten den tatsächlichen geldwerten Vorteil so genau wie möglich ausrechnen. Bei Angeboten mit befristet hohen Tagesgeldzinsen ist dies sehr einfach. Der Aktionszins muss lediglich mit dem Marktzins verglichen werden. Umgelegt auf die Anlagesumme und den Zeitraum, für den er gilt, lässt sich der Mehrwert schnell ermitteln.
Ein Fallbeispiel:
Ein Broker bietet Neukunden 5 Prozent Zinsen p.a. auf einem Tagesgeldkonto an und garantiert den Zinssatz für 12 Monate. Die Konditionen gelten für Anlagebeträge bis 25.000 Euro. Das beste anderweitige Tagesgeldangebot ohne Bedingungen bietet 3 Prozent Zinsen p.a. In diesem Fall hat das Angebot einen „inneren Wert“ von 500 Euro (2 Prozent Zinsdifferenz multipliziert mit 25.000 Euro).
Nicht immer sind die Neukundenangebote tatsächlich ein Schnäppchen. Oft finden sich auch Offerten, die sich auf verkaufende Argumente ohne tatsächlichen Mehrwert stützen. So werden z.B. verschiedene Gutscheine angeboten, deren Wert mit 50, 100 oder 500 Euro angegeben wird. Mit den Gutscheinen können dann z.B. E-Books kostenlos heruntergeladen werden. Sehr oft sind diese Gutscheine mit etwas Recherche auch unabhängig von einer Depoteröffnung im Internet zu finden – sie sind deshalb kein brauchbares Argument.
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