Optionsscheine

Optionsscheine sind der Klassiker unter den Hebelprodukten. Sie eignen sich für spekulative Anleger, die durch die Hebelwirkung überproportional von der Kursentwicklung eines Markts profitieren möchten.

Ein Optionsschein weist mehrere Ausstattungsmerkmale auf. Er verbrieft entweder das Recht zum Kauf (Call-Option) oder zum Verkauf (Put-Option) eines Basiswertes. Im Retailgeschäft sind Optionsscheine auf eine Vielzahl unterschiedlicher Basiswerte erhältlich. Aktien und Indizes gehören dazu ebenso wie Rohstoffe, Edelmetalle und Währungen. Das Recht, das ein Optionsschein verbrieft, ist in der Struktur des Scheins genau definiert. Der Inhaber kann sein Recht zu einem bestimmten Zeitpunkt bzw. innerhalb eines bestimmten Zeitraums geltend machen und den Basiswert zu einem festgelegten Preis (dem Basispreis oder auch Strike) kaufen bzw. verkaufen.

Die Bewertung von Optionen ist komplex

Der Wert eines Optionsscheins setzt sich vereinfacht erklärt aus zwei Komponenten zusammen. Zum einen handelt es sich dabei um den inneren Wert. Der innere Wert ist definiert als die Differenz des Basiswert-Kurses zum Basispreis. Der Zusammenhang wird an einem Beispiel leicht verständlich: Verbrieft ein Optionsschein das Recht, eine Aktie zum Preis von 10 Euro zu kosten und notiert diese Aktie bei 12 Euro, beläuft sich der innere Wert des Optionsscheins auf 2 Euro. Der Besitzer der Option könnte sein Recht jederzeit geltend machen und die Aktie zu 10 Euro kaufen und dann am Markt zu 12 Euro wieder verkaufen.

Ein Optionsschein hat nur dann einen (positiven) inneren Wert, wenn der Basiswert über dem Strike notiert. Auch wenn dies nicht der Fall ist, besitz der Schein dennoch einen Wert. Da es bis zum Ende der Laufzeit zu Kursveränderungen im Basiswert kommen kann, zahlen Anleger den Zeitwert. Dieser bemisst sich nach zwei Komponenten. Zum einen ist der Zeitwert umso größer, je länger die Restlaufzeit des Optionsscheins ist. Zum anderen fällt der Zeitwert höher aus, wenn die Marktvolatilität hoch ist.

Der faire Wert einer Option wird an den Finanzmärkten gemäß der Black-Scholes-Formel ermittelt, die nach ihren beiden Erfindern benannt ist. Das Feststellen des fairen Preises ist dank frei verfügbarer Software und den Rechnerleistungen des 21. Jahrhunderts kein Problem. Deutlich schwieriger fällt es vielen Anlegern erfahrungsgemäß jedoch, sich den Kursverlauf eines Optionsscheins bei verschiedenen Szenarien vorzustellen.

So kann es z.B. vorkommen, dass ein Call-Optionsschein an Wert verliert, obwohl der Kurs des Basiswertes steigt. Dies ist z.B. dann der Fall, wenn kein innerer Wert besteht und die Restlaufzeit der Option kurz ist. Allein durch den Zeitwertverlust kann der Wert der Option dann sinken. Auch eine deutlich geringere Marktvolatilität kann trotz guter Performance im Basiswert zu Verlusten führen.