Zertifikate sind aus der Investmentlandschaft des 21. Jahrhunderts nicht mehr wegzudenken. Die vielfältigen Möglichkeiten strukturierter Finanzprodukte machen Zertifikate zu einer geeigneten Anlagelösung für praktisch jedes Investor-Profil.
Zertifikate sind rechtlich betrachtet Inhaberschuldverschreibungen der jeweiligen Bank, die sie emittiert. Die Rechte, die mit einem Zertifikat für dessen Inhaber verbunden sind, richten sich nach der jeweiligen Zertifikate-Gattung. Sie leiten sich aus einem Basiswert ab. Sehr defensive Typen sind ebenso erhältlich wie ausgesprochen chancenorientierte Konstruktionen.
Zertifikate können sich auf praktisch jeden Basiswert beziehen. Neben Aktien und Aktienindizes sind dies in der Praxis häufig Rohstoffe, Währungen oder Edelmetalle. Vier besonders wichtige Zertifikate-Gattungen sind Bonuszertifikate, Discountzertifikate, Garantiezertifikate und Hebelzertifikate.
Bonuszertifikate beziehen sich oft auf den Aktienmarkt und werden von Banken gerne als „die bessere Aktie“ verkauft. Ein Fallbeispiel zur Erläuterung des Prinzips. Ein Bonuszertifikat bezieht sich auf eine Aktie, die zum Zeitpunkt der Auflegung bei 100 Euro notiert. Der Bonuslevel liegt bei 120 und die Bonusbarriere bei 80 Euro. Die Laufzeit beträgt 2 Jahre.
Unterschreitet der Kurs der Aktie während der Laufzeit zu keinem Zeitpunkt die Bonusbarriere bei 80 Euro, erhält der Inhaber des Zertifikats mindestens 120 Euro ausbezahlt. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Kurs der Aktie bei 80,01 oder bei 119,99 Euro notiert – der Bonuslevel ist in diesem Fall gesichert. Selbst bei einem Verlust der Aktie in Höhe von fast 20 Prozent wird mit dem Bonuszertifikat also noch ein Gewinn von fast 20 Prozent erzielt.
Die „bessere Aktie“: Bonuszertifikate sind bei Anlegern beliebt
Notiert der Kurs der Aktie am Ende der Laufzeit über dem Bonuslevel, wird kein schlechteres Ergebnis erzielt als bei einem Direktinvestment in die Aktie, weil die Auszahlung des Zertifikats unbegrenzt ansteigt. Bei steigenden, stagnierenden oder moderat fallenden Kursen erzielt das Zertifikat somit immer eine bessere Rendite als die Aktie.
Durchbricht der Kurs der Aktien allerdings zu irgendeinem Zeitpunkt während der Laufzeit die Barriere, erlischt der Anspruch auf die Bonuszahlung. Die Rückzahlung richtet sich dann ausschließlich nach dem Aktienkurs und entspricht dem Profil eines Direktinvestments. Die zusätzlichen Chancen für Anleger resultieren aus dem Verzicht auf die Dividende, die die Aktie während der Laufzeit ausschüttet.
Der größte Vorteil von Zertifikaten liegt in der Möglichkeit, für praktisch jede Markterwartung ein maßgeschneidertes Investmentvehikel zu finden und das Depot ganz nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Zertifikate bergen allerdings auch Fallstricke und Risiken. Besonders bei sehr komplexen Papieren mit sehr langen und verzweigten Ereignisketten können Banken hohe Kosten leicht verstecken, die für Privatanleger kaum ersichtlich sind. Als Schuldverschreibung sind Zertifikate zudem immer einem Emittentenrisiko ausgesetzt – wird die Bank zahlungsunfähig, verlieren Anleger ganz unabhängig von der Entwicklung des Basiswertes ihren Einsatz.
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